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Hörprobe
Benedicamus Domino

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Die Gesänge

Die Geschichte der westlichen Musik beginnt mit dem sogenannten Gregorianischen Choral, der in seinen Anfängen über 3000 Melodien zählte und noch Gesänge der älteren Riten, der ambrosianischen (mailändischen), gallikanischen, altspanischen, altrömischen, beneventanischen und nicht zuletzt der byzantinischen Liturgie übernahm.
Diese Melodien wurden von Solisten oder einer kleinen Sängergruppe gesungen, die ausschließlich nach dem Gehör, in der "Oralen Tradition" ihrer Vorgänger, die sie ausbildeten, sangen.
Die Melodien wurden nach Regeln komponiert, die noch heute die Bewunderung der Musikwissenschaft und der Ausführenden hervorrufen. Jedoch hängt ihre Ausdruckskraft zum größten Teil von der künstlerischen Qualität der Interpreten ab.

Gottesdienst und Kunstgestaltung bedeuteten im Mittelalter keinen Gegensatz. Je höher das Fest, desto mehr suchte man die Feier nach allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu gestalten.
Das war die Aufgabe der Mönche und Nonnen in ihren Klöstern. Sie verbrachten viele Stunden am Tage und auch in der Nacht in der Kirche.
Schon in frühester Zeit bestanden die Gottesdienste aus Gebeten, Lesungen und Psalmensingen, und die Kleriker vollzogen Messe und Stundengebet im Namen aller Gläubigen.
Für die Messgesänge sind unterschiedliche Vortragsarten vorgeschrieben, mit Beteiligung eines oder mehrerer Solisten und der Schola.
Zu den ältesten, schon im 5. und 6.Jh. belegten Melodien gehören Tractus-, Graduale- und Alleluia-Kompositionen, die im Anschluß an die Lesungen gesungen wurden. In den Gesängen des Ensembles kommen diese charakteristischen musikalischen Formen der liturgischen Musik des Mittelalters zur Anwendung, Stücke aus dem Proprium sowie dem Ordinarium Missae, üppige Gesänge eines Repertoires, das mit weit ausschwingenden Melodien und reichen Melismen den Sängern genügend Ansatzpunkte für eine einfallsreiche Interpretation bietet.
Diese Gattungen waren vielfältigen zeitlichen und regionalen Veränderungen unterworfen. Das Mittelalter kannte eine lebendige Erweiterung der Liturgie in Musik und Text. Seit dem 9. Jh. läßt sich nachweisen, wie an den hohen Festtagen in immer wieder anderer Weise neue Gesänge eingefügt, alte in Text und Musik mit Zusätzen erweitert wurden und zum einstimmigen Gesang die Mehrstimmigkeit hinzutrat.
Der Schwerpunkt in den ersten Jahrhunderten lag aber im Einstimmigen.

Vom 9. bis 12.Jahrhundert waren die tropierenden Einschübe in Form von Neutextierungen, oder musikalischen Erweiterungen in nahezu allen großen Kirchen des Abendlandes sehr beliebt. Sie dienten dazu, die Höhepunkte des Gottesdienstes, wie beispielsweise den Einzug des Klerus, besonders feierlich zu gestalten.
Gerade in der Zeit der großen Kathedralen bildete die Liturgie ein Zentrum des Dichtens und Komponierens. Hier entstand eine neuartige Liedkunst, die in der melodischen Gestaltung und im Wechselspiel zwischen Musik und Text weit über die gleichzeitigen Anfänge des europäischen Minnesangs der Troubadours und Trouveres hinausging. Auch mehrstimmige Gesänge aus verschiedenen Jahrhunderten - einige noch in improvisierter Mehrstimmigkeit - geben eine Vorstellung von der musikalischen Atmosphäre festlicher Gottesdienste in den Zentren des mittelalterlichen Musiklebens.
Polyphonie diente dazu, die himmlischen Harmonien des Kirchengesangs zu erhöhen und hervorzuheben. Deswegen wurde auch zu den großen Festlichkeiten die heilige Monodie im Organum gesungen, einer hochvirtuosen Solistenkunst auf der Grundlage des Gregorianischen Chorals.Die mittelalterliche Liturgie war ein wahrhaft dramatischer Vorgang.

Text und Musik haben innerhalb der Erhabenheit des Ablaufs tiefe Bedeutung und die Musik dieser Gesänge kann so für sich sprechen, wie die Baukunst der Kirchen, in denen sie über Jahrhunderte hinweg erklang: als monumental gesteigerte Kunstwerke in der Geschichte des menschlichen Denkens und Handelns.

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